CBD Öle sind Öle, die den nicht-psychoaktiven Inhaltsstoff der Cannabispflanze – Cannabidiol (CBD) – enthalten. Dem Cannabinoid werden verschiedenste gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Auch schmerzlindernde Aspekte werden diskutiert. Darüber hinaus berichten viele Menschen, insbesondere Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, über die Vorteile, die der Einsatz von CBD im Rahmen ihres Schmerzmanagements für sie bedeutet.

Doch was ist an Erfahrungsberichten und Diskussionen rund um das Thema CBD und Schmerzen dran? Was sagen Wissenschaftler und Experten über das vermeintliche Potenzial von CBD im Schmerzmanagement? Wir haben uns aktuelle Forschungsergebnisse angesehen und geben Ihnen in diesem Artikel einen Überblick.

 

 

Cannabisbasierte Medizin im Einsatz bei chronischen Schmerzen

Cannabinoide, Cannabis und cannabisbasierte Arzneimittel (CbM) werden vermehrt gegen Schmerzen eingesetzt [6]. Besonders häufig werden Cannabinoide von Patientenorganisationen und Befürwortern der cannabisbasierten Medizin für die Behandlung von chronischen Schmerzen, die nicht (mehr) auf konventionelle Therapien ansprechen, empfohlen [5].

Beispielhaft für therapieresistente chronische Schmerzen, sind periphere neuropathische Schmerzen, deren Behandlung eine schmerztherapeutische Herausforderung darstellt. Die Cannabinoide der Cannabispflanze sind dabei eine oft diskutierte Medikamentenoption [7].

 

Periphere neuropathische Schmerzen – die Suche nach alternativen Behandlungsoptionen

Die „Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes“ (International Association for the Study of Pain) definiert periphere neuropathische Schmerzen als Schmerzen, die durch eine Verletzung oder Erkrankung des Nervensystems ausgelöst oder bedingt sind. Sie können spontan auftreten oder durch mechanische oder thermische Reize ausgelöst werden (Hyperalgesie/Allodynie). Häufige Ursachen für periphere neuropathische Schmerzen sind metabolische (z.B. Diabetes mellitus), entzündliche (z.B. postherpetische Neuralgie) oder traumatische Nervenverletzungen. Diese Art von schwerbehandelbarem chronischen Schmerz, kann die Lebensqualität betroffener Personen erheblich einschränken. In vielen Fällen kommt es zusätzlich zu Angststörungen, Depressionen und Schlafstörungen [5].

 

Nahaufnahme schmerzende Hände einer älteren Dame

Da neuropathische Schmerzen zumeist nicht auf herkömmliche Analgetika ansprechen, kommen in der Praxis andere Arzneimittelklassen, wie Antiepileptika, Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmer sowie Opioide zum Einsatz. Mit derzeit verfügbaren Medikamenten erfahren jedoch nur etwa 50% eine wesentliche Linderung. Zusätzlich erschweren unerwünschte Nebenwirkungen dieser Arzneimittel das Schmerzmanagement [5].

Alternative Behandlungsoptionen werden daher viel erforscht und auch CBD wurde in diesem Zusammenhang von der Wissenschaft untersucht.

 

Transdermales CBD Öl gegen periphere neuropathische Schmerzen

Anfang letzten Jahres wurde eine klinische Pilotstudie von Xu et al (2020) veröffentlicht, die die Wirkung von CBD Öl auf periphere neuropathische Schmerzen untersuchten. In einer vier-wöchigen doppelblinden, randomisiert-kontrollierten Studie untersuchten sie die Wirksamkeit eines mit CBD-angereicherten Öls (Emu Öl) an 15 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen. Weitere 14 vergleichbare Patienten erhielten in diesem Zeitraum ein Placebo, das nahezu ident war (Emu Öl), jedoch kein CBD enthielt. Das Öl der CBD-Gruppe enthielt 250mg CBD und wurde im Studienzeitrum vier Mal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Nach vier Wochen bekamen die Teilnehmer der Kontrollgruppe die Möglichkeit, in die CBD-Gruppe zu wechseln und das CBD-haltige Produkt ebenfalls vier Wochen lang zu testen. Die Schmerzen und das spezifische Empfinden (z.B. Kälte oder Kribbeln) aller Studienteilnehmer wurden anhand der Neuropathischen Schmerzskala (NPS) evaluiert. Dafür wurden die Probanden gebeten, Schmerzen und Empfindungen auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (schlimmster vorstellbarer Schmerz) zu bewerten. Die statistische Analyse der erhobenen Daten wurde von einem externen Statistiker durchgeführt. In der CBD Gruppe zeigte sich eine statistisch signifikante Abnahme von stechenden, starken Schmerzen sowie eine Abnahme von Kälteempfinden und Juckreiz/Kribbeln. Die Autoren schlussfolgerten, dass die topische Anwendung von CBD Öl Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen helfen könnte.  Sie schlussfolgerten weiter, dass transdermales CBD künftig eine wertvolle Alternative zu den bestehenden Behandlungsmethoden dieser schwierigen Symptomatik darstellen könnte [1].

 

CBD gegen chronische Entzündungsschmerzen – ein In vivo Experiment

Laut Britch et al (2020) sind chronische Schmerzen zumeist der Grund für den Einsatz von medizinischem Cannabis. Daher richteten die Forscher ihr Augenmerk auf die beiden Hauptkomponenten der Cannabispflanze – THC und CBD – und untersuchten im Rahmen einer präklinischen Studie, deren Auswirkungen auf chronisch-entzündliche Schmerzen. Mit Hilfe eines Rattenmodells konnten sie zeigen, dass THC dosisabhängig Verhaltensweisen reduziert, die mit Schmerz in Verbindung stehen. CBD hingegen bewirkte nur eine minimale Linderung der Entzündungsschmerzen. Natürlich lassen sich tierexperimentelle Studien nicht immer akkurat auf den Menschen übertragen und für eine fundierte Einschätzung bedarf es jedenfalls weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Forscher dieser Studie kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass THC in der Behandlung von Entzündungsschmerzen eine größere Rolle spielen dürfte als CBD [3].

 

CBD als Unterstützung bei chronischen Beschwerden

Gulbransen et al (2020) untersuchten Änderungen in der von Patienten berichteten Lebensqualität, der Verträglichkeit und dosisabhängige Unterschiede und Zusammenhänge bei Patienten in Neuseeland, denen aufgrund von verschiedenen Erkrankungen CBD Öl verschrieben wurde. Gulbransen et al stellten fest, dass sich Patienten nach der Anwendung von CBD Öl gesünder fühlen und über Verbesserungen ihres Schmerzempfindens berichten. Darüber hinaus gaben die Befragten Verbesserungen von Angstzuständen und Depression an. Außerdem gaben viele an, besser zu schlafen und mehr Appetit zu haben. Über schwerwiegende Nebenwirkungen wurde nicht berichtet. Im Gegenteil, die Forschungsgruppe stellte fest, dass CBD sicher und im Allgemeinen gut verträglich zu sein scheint. Ein Zusammenhang zwischen der CBD-Dosis und dem berichteten Nutzen konnte aber nicht festgestellt werden. So kamen Gulbransen et al zu dem Ergebnis, dass CBD dosisunabhängig schmerzlindernd und angstlösend wirken könnte, die Lebensqualität verbessern könnte und vor allem für Menschen mit chronischen Beschwerden eine wertvolle Unterstützung sein könnte [2].

 

Wie könnte CBD bei Schmerzen wirken?

Mlost et al hielten in ihrem Review 2020 fest, dass viele präklinische und klinische Studien analgetische Effekte von CBD zeigen konnten, die aktuelle Studienlage jedoch noch sehr widersprüchlich scheint. So konnten einige präklinische Studien anti-inflammatorische Eigenschaften von CBD nachweisen während andere das genaue Gegenteil zeigten. Deswegen bedarf es laut Mlost et al (2020) weiterer Studien, um diesen Widersprüchen auf den Grund zu gehen. Vorläufig, so die Forscher, hat es den Anschein als wäre der längerfristige, medizinische Einsatz von CBD sicher und als ginge dieser, im Gegensatz zu vielen gebräuchlichen Schmerzmedikamenten, nicht mit einer Toleranzentwicklung einher. Die Pharmakologie von CBD ist bislang aber noch nicht hinreichend erforscht und dessen Wirkmechanismus noch unklar. Folgende Zielmoleküle (Targets) dürften dabei aber eine Rolle spielen:

  • 5HT1a
  • CB1R und CB2R
  • TRPV1 und TRPA1
  • Alpha-3-GlyRs
  • Und Adenosin-A1.

So bewirkte zum Beispiel die akute intraperitoneale Gabe von CBD bei diabetischen Ratten anti-allodynische Effekte über die Aktivierung des Serotoninrezeptors 5HT1a, der in der Schmerzwahrnehmung eine Rolle spielt [4].

 

Cannabinoide gegen chronische neuropathische Schmerzen

Zuletzt wurde Ende November 2021 eine Metaanalyse über den Stellenwert, den Cannabinoide in der Behandlung von neuropathischen Schmerzen einnehmen, veröffentlicht. Petzke et al (2021) fassen zusammen, dass die Ergebnisse der verfügbaren Studien sehr unterschiedlicher Natur sind und zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen. Überwiegend sind die bisherigen Belege, laut Petzke et al, von geringer Qualität. Der festgestellte Nutzen schwankt dabei von „nicht wirksam“ bis hin zu einer „klinisch bedeutsamen Wirksamkeit“. Die Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften variieren ebenfalls stark [5].

Auch in dem Leitfaden für Ärzte von VanDolah et al (2019) wird betont, dass die Erforschung von CBD und dessen potenzieller Nutzen in der Schmerztherapie noch längst nicht abgeschlossen ist. CBD könnte einen klinischen Nutzen haben, ist aber diesbezüglich noch nicht hinreichend erforscht. Obwohl CBD nebenwirkungsarm scheint, sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen und kommen vor. Laut VanDolah et al sollten Ärzte die Cannabinoid-Forschung aber im Auge behalten, denn CBD könnte künftig besonders bei schwierigen Behandlungen, wie zum Beispiel im chronischen Schmerzmanagement, eine große Rolle spielen. In der Praxis geschieht dies schon heute oftmals in Form von Selbstmedikationen durch die Patienten. VanDolah et al ermutigen Ärzte, das Interesse der Patienten nicht zu ignorieren und stattdessen klinische Neugier und gesunde Skepsis zu bewahren. Wie Ärzte hochwertige Produkte identifizieren können, können Sie im Absatz „Finding a Quality Product“ des Leitfadens nachlesen.

 

Fazit

Auch wenn einige Menschen über positive Erfahrungen mit CBD Öl zur Schmerzlinderung berichten und obwohl bereits einige präklinische und klinische Studien zu diesem Thema durchgeführt wurden, so ist die Studienlage derzeit unzureichend [5]. Dennoch konnten einige Studien analgetische Eigenschaften von CBD nachweisen. Sie lassen das Potenzial des Cannabinoids erkennen, das künftig eine große Rolle im Schmerzmanagement spielen könnte, insbesondere für chronische, therapeutisch herausfordernde Schmerzen, wie den peripheren neuropathischen Schmerz.

 

Die Inhalte unseres HANFAMA Magazins dienen lediglich der Aufklärung und Informationsweitergabe rund um das Thema Cannabis. Wir prüfen unsere Informationen genau und zitieren nur aus verifizierten Quellen. Trotzdem erheben unsere Texte keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.

Referenzen
[1] Xu, D. H., Cullen, B. D., Tang, M., & Fang, Y. (2020). The Effectiveness of Topical Cannabidiol Oil in Symptomatic Relief of Peripheral Neuropathy of the Lower Extremities. Current pharmaceutical biotechnology, 21(5), 390–402. https://doi.org/10.2174/1389201020666191202111534

[2] Gulbransen, G., Xu, W., & Arroll, B. (2020). Cannabidiol prescription in clinical practice: an audit on the first 400 patients in New Zealand. BJGP open, 4(1), bjgpopen20X101010. https://doi.org/10.3399/bjgpopen20X101010

[3] Britch, S. C., Goodman, A. G., Wiley, J. L., Pondelick, A. M., & Craft, R. M. (2020). Antinociceptive and Immune Effects of Delta-9-Tetrahydrocannabinol or Cannabidiol in Male Versus Female Rats with Persistent Inflammatory Pain. The Journal of pharmacology and experimental therapeutics, 373(3), 416–428. https://doi.org/10.1124/jpet.119.263319

[4] Mlost, J., Bryk, M., & Starowicz, K. (2020). Cannabidiol for Pain Treatment: Focus on Pharmacology and Mechanism of Action. International journal of molecular sciences, 21(22), 8870. https://doi.org/10.3390/ijms21228870

[5] Petzke, F., Tölle, T., Fitzcharles, M. A., & Häuser, W. (2021). Cannabis-Based Medicines and Medical Cannabis for Chronic Neuropathic Pain. CNS drugs, 10.1007/s40263-021-00879-w. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s40263-021-00879-w

[6] Fisher, E., Moore, R. A., Fogarty, A. E., Finn, D. P., Finnerup, N. B., Gilron, I., Haroutounian, S., Krane, E., Rice, A., Rowbotham, M., Wallace, M., & Eccleston, C. (2021). Cannabinoids, cannabis, and cannabis-based medicine for pain management: a systematic review of randomised controlled trials. Pain, 162(Suppl 1), S45–S66. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000001929

[7] Baust, H. (n.d.). Periphere neuropathische Schmerzen. THC/CBD Spray wirksam. Thieme. https://www.thieme.de/de/neurologie/72893.htm

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Christina Strzalka hat Gesundheits- und Krankenpflege und Health Assisting Engineering studiert. Sie hat einen engen Bezug zu Gesundheitsthemen und eine große Begeisterung für Innovationen. Für die LeserInnen des HANFAMA Magazins durchforstet sie wissenschaftliche Datenbanken und arbeitet sich gerne in komplexe Sachverhalte ein, die sie in verständlicher Art und Weise für Sie aufbereitet. Mit großer Leidenschaft recherchiert sie zu medizinischen und naturwissenschaftlichen Themen und berichtet über Neuigkeiten aus der Welt der Forschung. Ihr Motto: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Franz Kafka).